Toto - Africa

Shownotes

Dieses Mal geht es um einen Song, der angeblich gar nicht richtig zu Toto passte – und trotzdem zum größten Hit der Band wurde.
„Africa“ klingt heute wie Toto pur, war in der Band aber erst ein Außenseitersong. Wie der Song ein Hit wurde und warum der Gitarrist nackt über den Hollywood Boulevard rennen wollte, hört ihr in dieser Folge.

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00:00:03:

00:00:08: Hallo, hier ist Peter Ilmann.

00:00:11: Dieses Mal geht es um ein Song der eigentlich gar nicht zu Toto passte und trotzdem zum größten Hit der Band wurde.

00:00:19: Was Religion damit zu tun hat?

00:00:21: Warum innerhalb der Band plötzlich von einem Solo Album die Rede war Und wieso der Gitarrist versprach nackt über den Hollywood Bulle wahrzulaufen.

00:00:30: All das hörte in dieser Folge.

00:00:32: Toto-Afrika, die Nackt der Wahrheit im wahrsten Sinne des Wortes.

00:00:36: ... der Namibwüste im südwestlichen Afrika in einem Gebiet mindestens so groß wie Österreich.

00:00:56: Kein Straßenschild, keine Adresse, keine Apple oder Google Mapspin – nur endlose Dünen, lauer Himmel und Wind, der den Sand vor sich hertreibt!

00:01:06: Dort steht der junge Künstler Max Siedentopf vor sechs weißen Lautsprechern auf Säulen und drückt auf Start.

00:01:15: Aus den Boxen schallt Musik, es soll ein unendliches Kunstwerk sein.

00:01:20: Ein MP-Dreitplayer, ein Song, Solarstuben Tag und Nacht für immer!

00:01:27: Jetzt würdet ihr euch fragen was hat das jetzt mit dem Song zu tun?

00:01:31: Pass mal auf... Fast vier Jahrzehnte früher Anfang of the year in Los Angeles.

00:01:39: Keine Dünen, kein Himmel bis zum Horizont.

00:01:42: Stattdessen ein Studio, Kabel, Tasten, Regler und David Page vor einem neuen Spielzeug.

00:01:49: Einem Yamaha CS-Achzig sein neues Keyboard.

00:01:53: Page experimentiert mit dem Sound aber plötzlich ist er dieser warme schwebende Klang.

00:02:00: Dann kommt der Referent!

00:02:02: Später sagt Page, er habe angefangen zu spielen und der Refrain sah einfach herausgekommen.

00:02:09: Like magic!

00:02:11: Und eine Zeile ist auch sofort da.

00:02:14: I bless the rains down in Africa.

00:02:17: Ich segne den Regen in Afrika.

00:02:20: David Page is begeistert.

00:02:22: Sozusagen beiläufig hat er ein Song geschrieben Zumindest den wichtigsten Teil Aber er stutzt.

00:02:29: Kann das Zufall sein?

00:02:31: Ich mag ja talentiert sein, sagt er später.

00:02:33: Aber so talentiert bin ich nun auch wieder nicht!

00:02:37: Und so trifft er eine Aussage die für mich schon sehr anmaßen klingt zu der aber bis heute steht.

00:02:43: Gott hat mich als Instrument eingesetzt.

00:02:47: Ein göttlicher Song also?

00:02:49: Naja darüber kann man streiten.

00:02:56: Sommer oneinusundachtzig Los Angeles.

00:02:59: Während der Arbeit am Album Toto IV bringt David Page den Song mit ins Studio.

00:03:05: Sechs Monate hat er daran rumgearbeitet.

00:03:08: Nun will er wissen, was die Band sagt!

00:03:11: Seine Euphorie teilen die anderen nicht.

00:03:14: Die Kollegen mögen Afrika zwar aber sie sagen auch dass der Song überhaupt nicht nach Toto klingt.

00:03:20: und genau für solche Fälle gibt es in der Band offenbar einen Running Gag.

00:03:25: Wenn einer mit einem Song kommt der nicht so recht in den Toto-Kosmos passt heißt es sinngemäß starke Stück Aber hebt ihr das doch lieber für dein Solo-Album auf?

00:03:36: Gitarist und Sänger Steve Lukasser legt nach.

00:03:39: Er sagt, wir kommen aus North Hollywood!

00:03:42: Was haben wir eigentlich über Afrika zu

00:03:44: singen?!

00:03:45: Im Kern hat er ja recht.

00:03:47: Denn Page schreibt nicht über ein Afrika das er kennt – er war damals noch nie dort.

00:03:52: Sein Afrika entsteht sozusagen aus zweiter Hand.

00:03:56: Aus Fernsehbildern Unicef Spots National Geographic katholischer Schulprägung und den Erzählungen von Lehrern, die als Missionare in Afrika gewesen sind.

00:04:07: Africa ist also kein Reisebericht!

00:04:09: Es ist eher Kopfkino – ein Sehnsuchtsort aus Bildern zweiter Hand.

00:04:15: Das erklärt auch einen der textlichen Fehlgriffe des Songs.

00:04:19: As sure as Kilimanjaro rises like Olympus above the Serengeti so sicher wie der Kilimanjaro vergleichbar mit dem Olymp über der Serengeti aufragt.

00:04:31: Als Bild ist das natürlich großartig, ja fast filmisch kann man sagen.

00:04:35: Geografisch ist es eher sehr großzügig!

00:04:39: Der Kilimanjaro erhebt sich natürlich nicht über der serengetii sondern allenfalls daneben.

00:04:44: Komischer Text und passender Sound – Das Projekt Africa scheint für Toto erledigt zu sein.

00:04:51: Also doch für eine Solo-Platte von David Page?

00:04:56: Doch es gibt einen Unterstützer in der Band.

00:04:59: Es ist der Drama Jeff Porcaro, der an dem Song weiterarbeiten möchte.

00:05:03: Denn er bringt eine Kindheitserfahrung mit!

00:05:06: Ich war wohl elf als mich meine Eltern auf die Weltausstellung in New York mitnahm.

00:05:11: Im afrikanischen Pavillon sah ich traditionelle afriikanische Musiker.

00:05:16: Die Drama dort haben mich zutiefst beeindruckt.

00:05:20: Porcaros schafft also einen neuen Beat für den Song.

00:05:23: Er steckt viel Liebe in den Rhythmus und erinnert sich an die vielen Drums der Weltausstellung, lässt die Percussion immer wieder komplexer werden.

00:05:31: Und für Toto zu dem Zeitpunkt revolutionär, er arbeitet mit Soundschleifen also Loops!

00:05:38: Dazu packt er dann noch ein paar Ku-Glocken und Krongas oben drauf... ...und David Page übernimmt gleich auch noch den Gesang.

00:05:45: Bei Toto ist der Liedgesang ohnehin verteilt.

00:05:48: Steve Lukather singt zwar bei vielen Songs, aber Afrika beginnt ausgerechnet mit David Page dem Keyboarder und Hauptautoren des Songs.

00:05:58: Der ungeheure Aufwand lohnt sich!

00:06:01: Jetzt klingt Afrika nicht nur mehr nach Toto es ist auch ein klarer Anwärter für das nächste Album.

00:06:07: Eine Single?

00:06:08: Da bleiben Vorbehalte.

00:06:10: Legender isst Steve Lukathers Urteil.

00:06:13: Wenn da's ein Hit wird dann renne ich nack den Hollywood Bulle war runter.

00:06:20: Steve Lugatha wird bald siebzig.

00:06:23: Dass er noch mal nackt durch Los Angeles läuft, ist eher unwahrscheinlich.

00:06:27: aber eigentlich müsste er das!

00:06:30: Denn Africa wird Toto's einzige Nummer eins in den USA.

00:06:34: Inzwischen ist der Song dort mit dem Diamond Award ausgezeichnet.

00:06:38: zehn Millionen zertifizierte Einheiten aus Verkäufen, Downloads und Streams Auf Spotify überschreitet Afrika die Milliardenmarke auf YouTube ebenfalls.

00:06:49: Und jetzt kommen wir zu dem, was ich am Anfang erzählt habe.

00:06:52: Seit Jahrzehnten steht mitten in der Namib-Wüste eine Kunstinstallation namens Toto Forever In The Name Desert.

00:07:01: und diese Installation hat nur eine Aufgabe – Afrika mit Hilfe von Solarenergie immer weiterzuspielen für immer!

00:07:10: Der in Afrika geborene deutsche Künstler Max Siedentopf sagt, er will dem Song die ultimative Umarsch erweisen.

00:07:17: Indem er eben Afrika tatsächlich in Afrikas spielt!

00:07:22: Wo genau diese Installationen der Wüste steht ist allerdings ein Geheimnis des Künstlers – es gibt nur Fotos davon.

00:07:29: Also eine ganz schön lange Reise für einen Song, der in Los Angeles entstand im Kopf eines Mannes, der damals noch nie in Afrika gewesen war Ein Zomsong gewordener Traum

00:08:30: sozusagen.

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